Modellbauer fliegen auf leichte Hölzer

, 14. August 2012

Ganderkeseer vertreibt europaweit Balsa- und Sperrholz – 2010 Betrieb erweitert

Lutz Stelling hat seinen Betrieb 2004 in Delmenhorst gegründet. Inzwischen betreibt er in Ganderkesee eines der größten Balsaholz-Lager Deutschlands.

Balsholz von LS HolzWenn Holzhändler Lutz Stelling eine Lkw-Ladung neue Ware angeliefert bekommt, dann bedarf es zum Entladen keines Krans – ein Gabelstapler genügt. Das Holz lagert auf Europaletten. Gerade einmal 150 Kilogramm pro Kubikmeter wiegt der Rohstoff, den Stelling aus Südamerika importiert, weniger als Kork. Es handelt sich um das leichteste Holz der Welt: das des Balsabaums.

Genutzt wird Balsaholz vor allem für den Bau von (Flugzeug-)Modellen, Angelposen, leichter Türfüllungen oder auch Tischtennisschlägern. Stelling vertreibt das Holz von Ganderkesee aus europaweit an Verarbeiter, Großhändler und Privatkunden. Seit Anfang 2010 ist er im Gewerbegebiet Westtangente ansässig, gegründet hatte der Ganderkeseer sein Im- und Exportunternehmen 2004 in Delmenhorst. Seinerzeit hatte Stelling, der zu diesem Zeitpunkt im Ein- und Verkauf bei einem Holzimporteur in Bremen beschäftigt war, die Gelegenheit, das komplette Modellbausortiment seines Arbeitgebers zu übernehmen, als Letzterer seinen Betrieb stilllegte.

In Ganderkesee betreibt Stelling mit Unterstützung von vier Teilzeitkräften eines der größten Balsaholz-Lager Deutschlands. 700 Quadratmeter Hallenfläche mit einer Containerrampe zum Be- und Entladen stehen ihm hier zur Verfügung. „Ich muss ein großes Lager vorhalten, weil die Lieferzeiten vergleichsweise lang sind“, erklärt Stelling. Rund drei bis vier Monate dauere es, bis bestelltes Balsaholz in Form von Blöcken, Brettchen oder Hirnholz geliefert werde. Allein der Schiffstransport dauere einen bis eineinhalb Monate.

Sein Sortiment hat der 36-Jährige nach und nach erweitert. Neben Balsa liefert er auch finnisches Flugzeug-, italienisches Pappel- und Ceiba-Sperrholz sowie Besen- und Gerätestiele, die aus Brasilien, Argentinien, Ghana oder Malaysia importiert werden. In Teilbereichen arbeitet er mit den Delme-Werkstätten zusammen. Deren Mitarbeiter nehmen an den Besenstielen Bohrungen vor oder kleben Barcode-Etiketten auf die Artikel.

Der Handel mit den Spezialhölzern floriert – wenngleich, wie Stelling berichtet, die europäischen Modellbau-Anbieter unter der Billig-Konkurrenz aus Fernost zu leiden hätten, die mit Fertigmodellen in den Markt drängen. Schon jetzt, gut zweieinhalb Jahre nach der Betriebserweiterung, gerät das Lager in Ganderkesee wieder an seine Kapazitätsgrenzen. Ein Teil des Warenbestands ist bereits in Container vor dem Neubau ausgelagert. „Platz zum Anbauen ist aber vorhanden“, so der Diplom-Kaufmann. Sein Plan sei, künftig auch Terrassenhölzer zu vertreiben.

Die Spezialhölzer aus Ganderkesee sind übrigens schon jetzt nicht nur in Modellen, Tischtennisschlägern oder Türen verbaut. Auch im Fernsehen oder auf der Kinoleinwand könnten sie bereits zu sehen gewesen sein: Zu Stellings Kunden zählen die SFX-Studios aus Berlin, die das leichte Holz für den Kulissenbau geordert haben. Und auch im Jona-Kindergarten, das verrät der zweifache Vater, werde ab und an mit Balsaholz gewerkelt.